Musikunterricht - was bringt's? - Seite 2 - - MiSchyMusic Unterricht

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Was bringt Musik-Unterricht ? - Teil 2 -

Arbeitstechniken &
Problem-Lösungs-Strategien

Musik-Schüler bekommen mit der Zeit ein großes Repertoire an Werkzeugen an die Hand, die es ihnen ermöglichen, schwieriege Stellen "knacken" zu können. So lernen sie beispielsweise, Probleme in mehrere Teil-Probleme zu zerlegen oder die grundlegende Struktur hinter einer komplexen Passage zu erkennen.

Diese Techniken sind oft auf schulische oder auch alltägliche Problem-Stellungen übertragbar. So macht Musik Menschen zu kompetenteren Problem-Lösern.
Ausgeglichenheit

Musik gibt dem Musiker die Gelegenheit, Gefühle auszuleben: Bin ich verliebt, spiele ich eine Schnulze (oder schreibe selbst eine!). Bin ich sauer, spiele ich Metal. Instrumente müssen daher schon mal einiges abkönnen :-) Ich kann mich erinnern, dass ich in meiner Pubertät oft Stimmungen an meinem Instrument ausgelassen habe. Und ich beobachte das auch bei meinem älteren Sohn. Das Schöne: man hat die Möglichkeit, "Dampf abzulassen" und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Dadurch ist man hinterher emotional ausgeglichener, Musik fungiert also auch als Ventil.

Feinmotorik

Auch die Feinmotorik wird durch das Erlernen eines Musik-Instrumentes geschult. Da müssen Finger unabhängig voneinander bewegt werden, die das ohne Übung nicht könnten, bei Saiteninstrumenten kommt es oft auf einen Millimeter an, ob der Ton gut klingt oder nicht.

Kinder, die ein Instrument spielen sind daher in feinmotorischer Hinsicht oft geschickter. Das äußert sich beispielsweise beim Basteln oder Handwerken (Ausschneiden, Nähen, Schrauben, Löten, Reparieren), bei der Hauswirtschaft (Schnibbeln beim Kochen, Garnieren) oder in der Schule (Schreiben, Malen).
 
Geduld

Auch die effektivsten Übetechniken und -Tricks ändern nichts daran, dass Bewegungen sehr oft wiederholt werden müssen, bis sich der Bewegungsablauf automatisiert hat. Diese Automatisierung ist notwendig, um die Aufmerksamkeit von der technischen Ausführung abziehen und sie auf die musikalische Umsetzung lenken zu können: erst wenn der Fingersatz automatisch "fluppt" kann ich mich darum kümmern, zu einem Zielton hinzuspielen. 

Und erst da fängt das eigentliche Musik-machen an: Fingersätze und Tasten-treffen sind nur rein technische Vorgänge, die man beispielsweise auch beim Schreibmaschine schreiben vorfindet.

Um in die Lage zu kommen, mein Lied mit Ausdruck spielen zu können, müssen die Bewegungen automatisiert sein. Bis das soweit ist, muss ich ständig wiederholen. Wiederholungen aber werden schnell langweilig - Langeweile beim Üben (gar nicht richtig hinhören, "runternudeln") ist aber wieder Gift für die Effektivität: nur Wiederholungen, die ich ganz bewußt und mit voller Konzentration mache, sind wirklich effektiv. Um diese Konzentration beizubehalten, betrachtet man beim Üben unterschiedliche Teilaspekte: "Bei den nächsten 5 Durchgängen sage ich immer <<Fünf>>, wenn ich den kleinen Finger benutze". Bei Durchgängen danach konzentriere ich mich beispielsweise auf den Zeigefinder - usw. (Üben mit rotierender Aufmerksamkeit)

Geduld ist also nicht Langeweile. Als Musiker muss man ein gewisses Maß an Geduld aufbringen, weil Lieder nicht anders eingeübt werden können. Da die Gedulds-Spanne - gerade bei jüngeren Schülern - oft aber noch nicht so groß ist, beginnen Sie meist mit sehr kurzen Liedern und Übungen. Je länger ein Musik-Instrument erlernt wird, desto länger werden auch die Lieder. Die Geduld wird also langsam aufgebaut.

Selbstvertrauen
Erfolge geben Selbstvertrauen - das ist eine Binsenweisheit. Erfolge sind aber nicht nur die "großen" Erfolge, wie Siege bei Wettbewerben oder Fernseh-Auftritte. Die wichtigeren Erfolge finden oft im Kleinen statt: 
Wenn du zum x-ten Mal gedacht hast "diese Stelle werde ich nie können" und sie dann doch geschafft hast. Wenn du nach längerer Latenzphase. in der so scheint, als würdest du dich nicht weiterentwickeln (sondern "stehenbleiben") auf einmal einen spürbaren Entwicklungsspung machst. Das sind die Erfolge, die dir mit der Zeit ein immer besseres Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten geben. Deine innere Stimme verändert sich dadurch mit der Zeit: aus "schaff ich nie" wird "irgendwann wird's schon klappen". DAS ist wahres Selbstvertrauen. Das tolle daran: So können aus Mauerblümchen engagierte, charisma-tische Leute werden.

Emotionale Intelligenz

Musik ist mehr als " Töne zum richtigen Zeitpunkt zu treffen". In der Musik geht es um Gefühle. Tonfolgen, die in bestimmer Weise vorgetragen werden, können bei Menschen Gefühle auslösen. 

Wenn du ein trauriges Lied spielst und Oma fängt vor Rührung an zu weinen; wenn du einen Dance-Song performst und Opa auf dem Tisch tanzt - dann hast du Musik gemacht.

Wer diese Fähigkeit erlernen will, kommt nicht darum herum, sich mit menschlichen Gefühlen zu befassen. Fragen wie "Was bewirkt eine ansteigende Lautstärke/Tonfolge? Wann setzen wir das im Alltag ein und warum?" sind natürlicher Gegenstand in gutem Musik-Unterricht.

Und wieder: wer sich mit Emotionen befasst, trainiert seinen Gehirn-Muskel auf diesem Gebiet. 


Gute Musiker sind daher oft  Fachleute für menschliche Gefühle, was sich natürlich auch auf das menschliche Miteinander auswirkt. Deshalb gelten Musiker oft auch als sensibel oder "Weicheier" - wären sie es nicht, wären sie keine guten Musiker!

Soziale Kompetenz

Zugang zu den eigenen Gefühlen zu haben und sich in andere Menschen einfühlen zu können bedeutet aber auch viel Positives: nur so werden tiefgehende Beziehungen und Freundschafen möglich. Und wer einmal ein Lied über einen übergewichtigen Selbstmörder gesungen hat und so mit dessen emotionaler Welt in Berührung kam, wird sich auch im Alltag hüten, einen dicken Menschen unbedacht "fette Sau" zu nennen. 

Auch durch das Zusammenspiel mit anderen Musikern - beispielsweise in Duetten, Bands oder Orchestern - werden soziale Kompetenzen gefördert: Dort nämlich bringt es überhaupt nichts, einen Mitspieler, der einen Fehler macht, anzupöblen oder "runterzumachen". 

Durch solche Reaktionen wird er nur noch schlechter spielen, eine "Jalousie" wird runterfallen und er wird - wenn überhaupt - noch mechanisch korrekt spielen können. Die Emotionen, die eigentlich in die Musik fließen sollen, sind dadurch mit Flucht- oder Kampf-Reaktionen beschäftigt. 

Erst wenn man unter Musikern das Gefühl hat, dass Fehler okay sind, dass man unter Freunden ist, die alle das blöde Gefühl kennen wenn man mal einen "Haker" hat und daher Verständnis dafür haben - nur in dieser positiven Atmosphäre kann man solche "Haker" unbeschadet überstehen und sich trotzdem noch trauen, emotional zu musizieren. Jeder einzelne Musiker ist daher aufgerufen, diese positive Atmosphäre zu ermöglichen und herzustellen - ansonsten ist der musikalische Erfolg fraglich.


Zuverlässigkeit

Auch Zuverlässigkeit ist beim Zusammenspiel unbedingt notwendig: egal ob Duo, Band oder Orchester, jedes Mitglied einer Formation muss sich darauf verlassen können, dass jeder seinen Part zu Hause ausreichend geübt hat. Ist das nicht der Fall, so werden die anderen Mitglieder durch seinen "wackeligen" Vortrag seiner Stimme ebenfalls verunsichert - die Combo spielt nicht mehr souverän, sondern Unsicherheit wird in der Performance spürbar.
Zuverlässigkeit ist auch wichtig in Bezug auf Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit des Probenbesuches. Ein ständiger Zu-Spät-Kommer sorgt für Unruhe und stört so die Konzentration seiner Kollegen. Und wer nur unregelmäßig zur Probe erscheint, verhält sich den Anderen gegenüber überheblich - denn er zeigt mit seinem Verhalten, dass er manche Proben ja nicht nötig hat. Solche Verhaltensweisen vergiften die gute Stimmung in einer Formation und wirken sich negativ auf das Zusammenspiel aus. 

Zusammen kann man nur spielen, wenn nicht einer aus der Reihe tanzt!

Daher werden gerade beim Zusammenspiel mit anderen Musikern Kompetenzen gefördert, die in allen Bereichen, in denen Teamwork gefragt ist (z.B. Vereine), nützlich sind - und auch Arbeitgeber wissen sozial kompetente und zuverlässige Mitarbeiter sehr zu schätzen.



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